Schlagwort-Archiv: Antisemitismus

Verurteilung nach Vergewaltigung eines jungen „Bundesbruders“

Hans Fischer (hinten links) und Simon Thiele (Vordergrund) mit drei weiteren Burschen beim „Marsch für das Leben“ 2023 in München. Foto: Robert Andreasch

Ein Safe Space für junge Männer, Deutsche und Patrioten wollen sie sein, behauptet die Burschenschaft Germania Halle zu Mainz auf Instagram und verkennt wie alle extrem Rechte, dass Gewalttäter meist aus dem sozialen Nahbereich kommen. Und – wenig verwunderlich – manchmal ist das eben ein Burschenhaus.

Der heute 39-jährige Student [sic!] Hans Fischer, mutmaßlich inzwischen ausgeschiedener Aktiver der Bonner Raczeks, wurde laut Bonner Generalanzeiger zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. 2021 hatte er einen damals 18-jährigen „Bundesbruder“ im Bonner Burschenhaus im Schlaf vergewaltigt und davon Bildaufnahmen angefertigt. (https://ga.de/bonn/stadt-bonn/bonn-verurteilung-nach-vergewaltigung-durch-burschenschafter_aid-144485247)

Die Filmaufnahmen waren einer Staatsschützerin aufgefallen, die das sichergestellte iPad des Angeklagten durchsucht hatte, der unter anderem – ausgerechnet – wegen Gewalt im Zusammenhang mit Queerfeindlichkeit und Antisemitismus vorbestraft ist.

Simon Thiele (links) und Hans Fischer beim „Marsch für das Leben“ 2023 in Köln. Foto: Lina Dahm https://www.flickr.com/photos/191381951@N02/53195120612/in/album-72177720311283989

Queerfeindliche und antisemitische Gewalt in München

Am 25. März 2023 wurde Fischer gemeinsam mit Simon Thiele (Bonner Raczek) und drei weitern Burschenschaftern von dem Münchener Journalist Robert Andreasch beim Darbieten des völkischen Whitepower-Grußes vor einem Tagungshaus fotografiert. Dort hatten sie an einem Frühschoppen der Christdemokraten für das Leben teilgenommen, der als Vorprogramm für den Marsch für das Leben christlich-fundamentalistischer Abtreibungsgegner*innen abgehalten wurde. Nach dem Marsch entdeckten sie am Fenster eines Wohnheims für Studierende eine Regenbogenflagge, stürmten und verwüsteten das Zimmer der Bewohnerin und raubten unter anderem die Flagge. Im Englischen Park forderten sie Passant*innen auf, auf der Flagge herumzutrampeln, bedrohten die, die dem nicht nachkommen wollten und beleidigten sie antisemitisch und queerfeindlich. Zudem präsentierten sie einen „Hitlergruß“, gaben an, Juden verbrennen und ein großdeutsches Reich aufbauen zu wollen und beschwerten sich über „Gleichgeschlechtlichkeit“, die von Regierung und „Judenreich“ aufgezwungen würden. Wohlgemerkt: Dies geschah zwei Jahre nach der Vergewaltigung des schlafenden 18-Jährigen im Bonner Burschenhaus durch Hans Fischer.

Neben Fischer und Thiele (der seit einem Aufenthalt in München außerdem Farben der Danubia München trägt), bestand die Gruppe aus Leander Huber („Burschenschaft Arkadia-Mittweida zu Osnabrück“ und ehemaliges Mitglied des JA-Landesvorstands Niedersachsen), Marvin „Wotan“ Sander (Burschenschaft Gothia Salzburg, aktiver IB-ler in Österreich und Schriftführer des Rings Freiheitlicher Jugend Salzburg [RFJ]) und Hendrik Hebestreit, wie Thiele von der Danubia München. Die Anklage gegen Fischer wegen des Eindringens in das Wohnheim wurde wegen schwerwiegenderer Anklagen fallen gelassen, aufgrund der Geschehnisse im Englischen Garten und dem Zeigen eines „Hitlergrußes“ nach einem Fest wurde er zu 120 Tagessätzen à 15 € verurteilt. Der Prozess gegen Thiele und Hebestreit wurde abgetrennt, das Verfahren gegen Thiele eingestellt. (Zum Prozess: https://autonome-antifa.org/breve9534 )

Überfall auf eine Burschenschaft in Marburg

In einem Prozess am 08. Februar 2023 wurde Hans Fischer mit zwei Burschen in Marburg wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch vorgeworfen. Am 14. Juni 2020 hatten die drei mit bis zu einem Dutzend Mittäter den „Schwarzburgbund Frankonia Marburg“ überfallen. „Trotz des bewaffneten Überfalls mit Teleskopschlagstöcken, Pfefferspray und Rammbock in Wehrmachtsuniform und Trachtenjankern, trotz der offen schwulenfeindlichen (‚Schwuchtel‘) und antisemitischen (‚Judensau‘) Gesinnung der Angreifer und trotz des hohen Sachschadens wurde am Ende lediglich ein Nazibursche verurteilt“, notierte die Autonome Antifa Freiburg zum „schlampig ermittelten“ Prozess (https://autonome-antifa.org/breve8596). Hans Fischer wurde freigesprochen.

Mit der Sicherheit eines „Safe Space“ scheint es für die Marburger Frankonen also auch nicht allzu weit her gewesen zu sein.

Angesichts der Queerfeindlichkeit, des Antisemitismus und der Gewaltaffinität des Neofaschisten Hans Fischer fällt dagegen eine Verurteilung wegen Verstoßes gegen das Vermummungsverbot bei einer unangemeldeten Veranstaltung 2025 in Düsseldorf vergleichsweise harmlos ins Gewicht.

Alle hier genannten Angeklagten und verurteilten Täter sind oder waren Mitglieder von Burschenschaften, die im Dachverband Deutsche Burschenschaften organisiert sind und gehören damit dem herausragenden extrem rechten und völkischen Teil der Burschenschaften an. Weder Gewalt nach außen, noch nach innen oder (homosexuelle) Vergewaltigungen können überraschen. Sie gehören zum innersten Programm faschistischer Männerbünde.

Vorsitzende des „Bundesverband Lebensrecht“ referierte in Gummerbach

Lebensschützerin Alexandra Maria Linder am 23.11.2024 beim Kreiskatholikenrat in Gummersbach

Während der „Marsch für das Leben“ in Berlin und Köln von vielfältigem Protest begleitet und zum Teil erfolgreich blockiert wurde, wurde vom Treffen des Kreiskatholikenrates Oberberg kaum Notiz genommen. Unter dem Motto „Menschenwürde im 21. Jahrhundert – (un)antastbar?“ konnte  Linder ihre Thesen zum Schutz vorgeburtlichen Lebens bei Kaffee und Kuchen referieren.  

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Verschwörungsgläubige aus dem Oberbergischen Kreis mit Verbindungen zur Anastasia- und Reichsbürgerbewegung planen Gründung einer Siedlungsgemeinschaft in der Lüneburger Heide

Der Immenhof gehört zur Gemeinde Bispingen in der Lüneburger Heide. Auf dem etwa 28.000 qm großen Gelände (mit Wald- und Landwirtschaftsflächen 41 ha), das früher als Kinderheim genutzt wurde, gibt es neben diversen Gebäuden auch ein Brunnenhaus, ein Schwimmbad und ein Schul­ge­bäude.

Auf diesem Gelände planen Christoph Sch. und seine Mitstreiter*innen ein Siedlungsprojekt, welches möglichst unabhängig von staatlichen Strukturen und Kontrollen Platz zum Zusammenleben bieten soll. Am vergangenen Wochenende vom 24. bis 26.06. fand dort ein Vorbereitungstreffen von über 60 Personen statt.

Christoph Sch. lebt seit langem im Oberbergischen Kreis, war an der Gründung von zwei Solidari­schen Landwirtschaften (SoLaWi) beteiligt, die er beide allerdings nach kurzer Zeit verließ.

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„Oberberg bewegt!“ – Volksverhetzung made in Gummersbach

„Um der Polizei die Arbeit etwas zu erleichtern wurden ihr deshalb vor einer Woche die Daten zu der Administratorin – einer 69jährigen Frau aus der Esoterik-Szene, die in einem westlich der Innenstadt gelegenen Stadtteil von Gummersbach wohnt – übermittelt.“

Wie bereits in verschiedenen lokalen Medien berichtet wurde, werden in der oberbergischen Telegram-Gruppe „Oberberg bewegt!“ regelmäßig rassistische, antisemitische und volksverhetzende Posts verbreitet. Bei der Gruppe handelt es sich mit über 1500 Mitgliedern um den größten einschlägig extrem rechten „Coronaskeptiker“-Telegram-Kanal im Oberbergischen. Dieser besteht bereits seit Beginn der Coronapandemie. Von keinem der Mitglieder gibt es nennenswerten Widerspruch zu den menschenverachtenden Inhalten, die dort verbreitet werden.

Hier eine Auswahl von Originalzitaten aus den Posts: „Der Holocaust ist eine Lüge genau wie das Märchen von der Pandemie“, „Der Holocaust ist die schlimmste Kriegslüge in der Menschheitsgeschichte!“, „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los“ (Goebbels Zitat), „Wahrheit macht frei und Freiheit macht wahr“ (Erweitertes Zitat des Spruchs vom Eingangstor des KZ Auschwitz), „Jude gib zu, dass Juden wie ein Fremdkörper, wie ein Parasit unter den Völkern leben, die sie von innen heraus erobern und vernichten wollen“, „Weltweit ist man sich einig, dass Adolf Hitler ein außergewöhnlicher Mensch mit einer kraftvollen Ausstrahlung war. Manch einer behauptet sogar, er wäre ein Götterbote“. Und auch eine Morddrohung gegen die Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung lässt sich finden: „und anetta kahane und konsorten: dieses mal entkommt ihr nicht, dieses mal kommen alle Täter an den Strick….“

Die Administratorin Elisabeth Storch (Name von der Redaktion geändert), die für unzählige wohl strafrechtlich relevante Inhalte der Gruppe verantwortlich ist, kommentiert die Artikel zu ihrer Telegram-Gruppe mit den Worten: „Niemals wurde hier geschrieben, wir wollen Adolf Hitler wiederhaben. Hier kommen nur die Informationen rein über ihn, die weltweit zu lesen sind und nur bei uns verboten werden.“ Damit macht sie deutlich, dass sie weiß, dass sie strafbare Inhalte verbreitet.

Da die Antifaschistische Recherche Oberberg (AROB) bereits im letzten Jahr ausführlich über die Gruppe „Oberberg bewegt!“ berichtet hat, ist zu vermuten, dass auch der Staatsschutz die Gruppe schon länger im Visier hat, allerdings ohne dass bisher etwas passiert ist. Da Telegram die Daten der Administratoren nicht an die Ermittlungsbehörden weitergibt, ist die Strafverfolgung in solchen Fällen allerdings auch schwer. Um der Polizei die Arbeit etwas zu erleichtern wurden ihr deshalb vor einer Woche die Daten zu der Administratorin – einer 69jährigen Frau aus der Esoterik-Szene, die in einem westlich der Innenstadt gelegenen Stadtteil von Gummersbach wohnt – übermittelt. Die Renterin ist in zahlreichen weiteren Telegram-Gruppen aktiv.

Wir gehen davon aus, dass der Staatsschutz jetzt aktiv wird, dieser Telegram-Kanal in einigen Tagen nicht mehr existieren wird und die Administratorin einem Strafverfahren wegen Volksverhetzung, Aufruf zu Straftaten und ggf. sogar einer Haftstrafe entgegensieht.

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