Archiv der Kategorie: Antifaschistische Recherche

Burschen-Treffen in Lohmar

Die Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn und die flämische Nationalistische Studentenvereniging trafen sich in der Lohmarer Erlebnisbrauerei

Ein Dutzend Burschen fand sich am 20. Juni 2026 nachmittags in der Borgster’s Erlebnisbrauerei in Lohmar (Rhein-Sieg-Kreis) bei deren „Mittsommer-Event“ ein. Sie belegten eine Biertischgarnitur am Rand der öffentlichen Veranstaltung, blieben dort unter sich und pflegten lebhaften Austausch. Ob der Eigentümer der Brauerei wusste, dass es sich bei den mit auffälligen farbigen Bändern dekorierten Gästen um Angehörige mehrerer extrem rechter Burschenschaften handelte, war nicht ersichtlich. Ironischerweise wurde das Fest während einer freundlichen Unterhaltung zwischen Wirt und Burschen mit dem Song „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten beschallt. Nach zwei Stunden Bierverkostung brach die Gruppe zur wenige Kilometer entfernten Gammersbacher Mühle auf und ließ sich im Planwagen für eine knapp einstündige Runde singend durch den Wald kutschieren. Danach wurde dort weiter getrunken und gegessen. Anschließend fuhr die Gruppe wieder zurück zur Erlebnisbrauerei, verabschiedete sich, stieg in die Autos und noch vor 20:00 Uhr – nach knapp fünf Stunden – waren alle abgereist.

Besuch „Alter Herren“ aus Belgien

Drei der „Alten Herren“ stiegen in einen privaten Kleinwagen mit belgischem Kennzeichen. Den Farben ihrer Bänder nach handelte es sich nicht nur um Raczeks, denn zwei von ihnen trugen passend zum Nummernschild außerdem Bänder der flämischen Nationalistische Studentenvereniging (NSV!). Der dritte Autoinsasse trug während des Treffens keine Bänder.

Mit den Farben der NSV!: Fahrer des belgischen Wagens (links) und zwei Begleiter

Die Nationalistische Studentenvereniging vertritt eine extrem rechte und separatistische Politik. Sie ist Kaderschmiede für die belgische  Partei Vlaams Belang, legt jedoch großen Wert auf parteipolitische Unabhängigkeit, weil sie „Metapolitik“ betreiben wolle. Ihrem Verständnis nach müsse die Metapolitik die Parteien beeinflussen und nicht umgekehrt. Wortwahl und Strategie sind kennzeichnend für neofaschistische Vorfeldorganisationen. In ihrem Wappen trägt sie die Tiwaz-Rune, ihr Instagram-Account lautet auf den Namen „nsvibes“.

Die belgische Korporation pflegt regelmäßigen Kontakt zu Neonazis wie der deutschen Partei Die Heimat oder CasaPound (Italien) sowie der Deutschen Burschenschaft (DB). Die DB ist der Dachverband der extrem rechten Burschenschaften in Deutschland und Österreich. (Zur DB: https://autonome-antifa.org/mot1423.) Die Bonner Raczeks, Mitglied in der DB, pflegen ihrerseits Kontakte zu den flämischen Korporierten. So waren bei einer Veranstaltung in Bonn am 17. Dezember 2024, bei der Maximilian Krah als Redner geladen war, auch drei junge Gäste der NSV angereist. Maximilian Krah galt eine Zeitlang als Vorzeigepolitiker des völkischen Flügels der AfD, fiel aber unter anderem wegen seiner allzu offensichtlichen und mutmaßlich lukrativen Spionagetätigkeiten für China, mehr aber noch wegen seines Einschwenkens auf einen legalistischeren Parteikurs bei Teilen der AfD in Ungnade. Die jungen NSVler waren vom Besuch bei ihren „guten Freunden“ in Bonn und von Krah seinerzeit so angetan, dass sie ihn gleich mitnahmen „in ihr schönes Flandern“.

Gemeinsamer Screenshot der Raczeks zu Bonn und der NSV! nach einer Veranstaltung in Bonn am 17. Dezember 2024, bei der Maximilian Krah im Burschenhaus der Raczeks vorgetragen hatte. Zum Dank für die „bereichernden Einsichten“ habe man Krah gleich mit nach Flandern genommen

Regelmäßig zu Gast bei der NSV! sind prominente Vertreter*innen der europäischen Neofaschisten, so aus Deutschland die AfD-Europaabgeordneten Irmhild Boßdorf und Alexander Jungbluth. Die in Belgien geborene Boßdorf gehört einer völkischen Familie an, pflegt vielfältige Kontakte ins extrem rechte europäische Ausland, vor allem aber zu Vlaams Belang. Die Familie wohnt in Königswinter im Rhein-Sieg-Kreis. (Zu Irmhild Boßdorf: https://lotta-magazin.de/ausgabe/93/netzwerkerin-der-neuen-rechten/.)

Alexander Jungbluth aus Dexheim (Landkreis Mainz-Bingen) war rheinland-pfälzischer Vorsitzender der Jungen Alternative (JA) und wurde 2024 ins Europaparlament gewählt. Sein Studium albsolvierte er in Bonn und trat währenddessen wie bereits sein Vater den Raczeks zu Bonn bei. Außerdem ist er „Alter Herr“ der Burschenschaft Germania Halle zu Mainz. Jungbluth beschäftig nicht nur die Frau des stellvertretenden rheinland-pfälzischen AfD-Landeschefs und Bundestagsfraktionsvizes Sebastian Münzenmaier als Mitarbeiterin, sondern auch Reinhild Boßdorf, Tochter der oben genannten Irmhild Boßdorf. Rheinhild Boßdorf ist seit langem in neofaschistischen Vorfeldorganisationen aktiv. Sie gilt als Gründerin und Gesicht der antifeministischen Frauenorganisation Lukreta, die sich durch Parlamentsmittel der AfD unterstützen lässt (https://www.ardmediathek.de/film/heimat-haekeln-hetze-undercover-unter-rechtsextremen-frauen/Y3JpZDovL3NyLmRlL0hISFU).

Einmal mehr wird der Filz zwischen Burschen, neofaschistischen Vorfeldorganisation wie Lukreta und Parteien der extremen Rechten in Europa wie der AfD oder Vlaams Belang deutlich.

Ein alter Bekannter: Matthias Müller heißt jetzt Eder

Doch auch Verbindungen zwischen Burschen, AfD und (ehemaligen) Neonazis werden immer wieder sichtbar, wie bei einem weiteren Teilnehmer des Treffens in Lohmar deutlich wurde. Gleich mit drei Bändern dekoriert fand sich in einem Wiesbadener Mietwagen Matthias Eder ein, bekannter unter seinem früheren Namen Matthias Müller. Eder ist „Alter Herr“ der Raczeks zu Bonn, der Dresdensia-Rugia Gießen und der Dresdensia Leipzig.

Matthias Eder, früher Matthias Müller, mit den Farben der Raczeks zu Bonn, der Dresdensia-Rugia Gießen und der Dresdensia Leipzig

Eder war schon früh aktiv in der extrem rechten Jungen Landsmannschaft Ostpreußen (JLO). Unter anderem deswegen, aber auch wegen der Teilnahme an Seminaren und Demonstrationen der NPD und als Autor der Jungen Freiheit musste er 2006 von seinem Amt als stellvertretender Vorsitzender des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) in der Universität Gießen zurücktreten. Zu dieser Zeit war er außerdem Sprecher der Dresdensia-Rugia Gießen.

2011 wurde Eder / Müller ausgerechnet am 20. April (Adolf Hitlers Geburtstag) von Thomas Gruber zu einem Schießtraining eingeladen (https://autonome-antifa.org/article330). Gruber ist ehemaliger Fallschirmspringer der Bundeswehr, hält die AfD für die „letzte evolutionäre Chance für unser Land“ und ist heute Leiter des baden-württembergischen Landesfachausschusses für Außen- und Sicherheitspolitik, Entwicklungshilfe und Außenwirtschaft der AfD.

Eder übernahm im zivilen Leben 2019 die Leitung des Geschäftsbereiches Information und Kommunikation von Plastic Europe Deutschland mit Sitz in Frankfurt am Main, damals noch als Matthias Müller. Erst in der Zeit danach muss er sich in Matthias Eder umbenannt haben.

Die Bonner Raczeks

Neben einem weiteren namentlich nicht bekannten „Alten Herren“ nahmen sieben jüngere Raczeks am Treffen teil. Neuzugang in Bonn ist Jonas Rasmussen, der bis dahin allein Mitglied der Greifswalder Burschenschaft Rugia war. Auf dem Burschentreffen in Eisenach 2026 fungierte er als Ordner. (Zum Burschentag 2026 und allen hier genannten Teilnehmern beider Veranstaltungen siehe: https://www.dokunetzwerk.org/2026/05/29/verbandstagung-extrem-rechter-burschenschafterin-eisenach/.)

Posieren dem Fotograf Carlo Frank für ein Erinnerungsfoto: John-Luca Pletschen, Hans Kornstädt, Moritz Hillesheim und Jonas Rasmussen (von links)

Weitere Anwesende Raczeks auf dem Burschentag und zugleich in Lohmar waren Niklas Drove, Hans Kornstädt, Carlo Frank und Moritz Hillesheim.

Von links nach rechts: Carlo Frank, Niklas Drove und NN

Moritz Hillesheim gehört zum engen Umfeld von Joachim Paul aus Koblenz. Paul ist rheinland-pfälzischer Landtagsabgeordneter, Vorsitzender im Kreisverband Koblenz der AfD und ebenfalls Raczek, außerdem Türöffner für den neofaschistischen Vorfeldnachwuchs für Ämter und Pöstchen innerhalb der AfD. Seine Günstlinge scheinen mittlerweile einigen seiner Parteikollegen im Kreisverband Koblenz zu belastend für die von Verbotsverfahren bedrohte Partei zu sein: Zwei Vorstandsmitglieder traten zurück und der Kreisverband wurde durch den Landesverband unter einen Notvorstand gestellt. Insbesondere die Betrauung des Internet-Trolls und digitalen Schlägers Patrick Kolek mit vorgeblich ehrenamtlichen Tätigkeiten für die Partei im Bereich Social Media – einem Alleingang von Joachim Paul – brachte das Fass zum Überlaufen (https://www.allgemeine-zeitung.de/politik/politik-rheinland-pfalz/aufstand-im-afd-kreisverband-koblenz-gegen-joachim-paul-5755119 und https://www.allgemeine-zeitung.de/politik/politik-rheinland-pfalz/afd-politiker-paul-nimmt-internet-troll-unter-seine-fittiche-5626418 ). Hillesheim war früher aktiv bei der antiislamitischen Bürgerbewegung Pax Europa (BPE). Er ist Mitglied der AfD Koblenz / Mayen und stellvertretender Vorsitzender der rheinland-pfälzischen Generation Deutschland (GD), dem Jugendverband der AfD.

Moritz Hillesheim, AfD Mayen Koblenz und stellvertretender Vorsitzender der GD Rheinland-Pfalz nestelt ehrfürchtig am Band des „Alten Herrn“

Hans Kornstädt fühlt sich gleichermaßen den Jungen Nationalisten (JN) und der neofaschistischen Identitären Bewegung (IB) zugehörig. Er war außerdem aktiv bei der 2024 aus formalen Gründen aufgelösten Revolte Rheinland. Die Revolte Rheinland war ihrerseits eine Nachfolgeorganisation der Identitären Bewegung, gegründet aus der Befürchtung eines Verbotes der IB heraus. (Zu Kornstädt siehe https://rheinmain-rechtsaussen.org/2026/03/16/generation-paul/ und https://www.spiegel.de/panorama/rechte-burschen-und-ihr-netzwerk-mit-afd-und-neonazis-spiegel-tv-a-c4582d4b-5d30-4c5a-9bf9-924b05b5c5eb.)

Neonazi, IBler und Bursche Hans Kornstädt

Aus dem AfD-Kreisverband Rhein-Sieg, OV Sankt Augustin war außerdem John-Luca Pletschen anwesend. Noch am Samstagmorgen vertrat er seinen Ortsverband bei einem Parteistand in Sankt Augustin. Anschließend ließ er sich in Lohmar absetzen, wo er sich als Erster des Treffens einfand.

John-Luca Pletschen vom AfD-Kreisverband Rhein-Sieg und OV Sankt Augustin: Vom morgendlichen Einsatz am Wahlkampfstand in Sankt Augustin gleich weiter zum Burschentreffen (Quelle rechtes Bild: Screenshot Instagram)

Das eher klein geratene Treffen in rustikaler Umgebung und bei hohen sommerlichen Temperaturen zeigt einmal mehr, dass einige der „Alten Herren“ offenbar strapaziöse Anreisen auf sich nehmen, um sich auszutauschen und stabilen Kontakt zum extrem rechten Nachwuchs zu pflegen. Dieser wiederum mag nach wie vor in Neonazikreisen und weiteren Vorfeldorganisationen zu verkehren, strebt jedoch vor allem regelmäßig Parteikarrieren in der AfD an. Die Partei hat nicht umsonst den Ruf einer „Burschenpartei“.

Schießen: Für echte Prepper eine interessante Angelegenheit

Melanie Dittmers Prepper-Blog

Am 22.04.2025 sendete Report Mainz einen Beitrag mit einer Recherche über den Kaffeeversand und Kursanbieter Black Ops Coffee (BOC) (https://www.ardmediathek.de/video/report-mainz/rechtsextremes-prepper-netzwerk/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIyMzA4NDI). Demnach wird das Unternehmen seit 2021 von André Schmitt (aka Hannibal) als Nachfolgeorganisation des zuvor aufgelösten Vereins Uniter geführt. Wie bei Uniter gebe es hinter dem vorgeschobenen Organisationszweck ein nach militärischen Rängen hierarchisch aufgebautes Preppernetzwerk. In Kursen werde dort alles gelehrt, was für den „Tag X“ vonnöten sein könnte, einschließlich brutaler Nahkampftechniken gegen Personen, die als Feinde imaginiert werden und dem Gebrauch verschiedener Waffen. Die Insider-Community umfasse laut der Recherchen aus Mainz ca. 120 Mitglieder. Darunter ehemalige Uniter-Mitglieder, Ex-Soldaten, Ärzt*innen, eine Apothekerin, ein Mitglied der AfD aus Rheinland-Pfalz, das Kurse für Nahkampf gebe, außerdem eine „bekannte Rechtsextreme“. Bei Letzterer handelt es sich nach unseren Recherchen um Melanie Dittmer. (Vgl. https://aroberberg.wordpress.com/2025/04/17/melanie-dittmer-meets-hannibal/)

Promotion für BOC und André Schmitt

Von Januar 2021 bis zum Dezember 2024 betrieb Dittmer den City Prepping-Blog (https://city-prepping.de/). Erst seit einigen Wochen ist die Seite nur noch über die wayback machine erreichbar.

Als Prepper-Influencerin berichtete sie vom Pilzesammeln oder Brennnesselsüppchen kochen, rezensierte Bücher, gab Tipps zu Gaspistolen, Pfefferspray oder Pfeffergel und empfahl Marken-Ausrüstungsgegenstände für Campingausrüstung, Bekleidung und für Messer ­– ihrem persönlichen Fetisch. Ab Ende 2022 hat sie nachweislich an zwei Kursen von André Schmitt teilgenommen, einem Online-Notfallfunk-Kurs und einem 30 Km-Marsch, worüber sie im Anschluss berichtete. Vorgestellt wurde auch das Buch von Bernhard Krah zum Thema Notfallfunken. Krah ist der Vermieter von BOC und Mitgründer von Brothers in Arms (BIA GmbH), dem Verlag des heutigen Geschäftsführers André Schmitt. Auf Dittmers Seite wurde im Dezember 2023 das erste Buch von Schmitt rezensiert und empfohlen.

Dittmers Cityprepping-Seite. Dieser und alle folgenden downloads vom 26.04.2025

Verschiedene  Black Ops Coffee-Kurse wurden von Dittmer beworben, gelegentlich konnten Interessierte Rabatt erhalten, wenn über ihre Seite gebucht wurde. Seitdem Schmitt sein Buch über die „Grey Man-Theory“ intensiv bewirbt (auch in Reichs- und Wutbürger-Kreisen), beschäftigt sich Dittmer ebenfalls des Öfteren mit dem Thema. Ihren eigenen Artikel aus dem City Prepping-Blog veröffentlichte sie 1:1 in der „N.S. Heute“ (Ausgabe Januar/Februar 2025). Wer als Leserin des Blogs bei der Buchung des „Grey Man Online Kurs“ von BOC das Codewort „cityprepping20“ eingebe, werde automatisch 20% Rabatt erhalten. Für Kurse von André Schmitt und für Produkte aus dem BOC-Shop warb Dittmer auch auf dem Genticus-Kanal auf Telegram, zuletzt im Juli 2023. Im März 2023 betreute Dittmer beim MTB-Bulls Cup im Westerwald den Promo-Stand von BOC und schrieb dazu: „Ich habe dort am Stand meinen Partnern von Black Ops Coffee geholfen, deren Community ich angehöre“. Nachweislich hat sie bei BOC eine „lifetime Memebership“.

Standhilfe als Teil der Blacks Ops Coffe-Community

Dittmer bezeichnet ihre Influenzertätigkeit als Journalismus, gelegentlich behauptet sie sogar, sie sei investigative Journalistin. (Auch dann noch, wenn sie mit Megafon und Presseweste vor einer extrem rechten Demo herläuft.) Ihr Kontakt zu Schmitt bestünde seit längerem nicht mehr, auch ihren Blog habe sie vor zwei Jahren eingestellt und eine Lifetime Memberbership bei der BOC-Community habe nie bestanden. Die Partnerschaft zwischen Schmitt und Dittmer mag tatsächlich nicht von allzu langer Dauer gewesen sein, zu groß wird das Expertise-Gefälle zwischen dem ehemaligen Elite-Soldaten und Dittmer sein. Genau so wenig wird sie je zum engeren Kreis um Schmitt gezählt haben. Eine militante Neonazi-Aktivistin, die sich dem Preppertum verschreibt und auf den „Tag X“ vorbereiten möchte, belässt es jedoch erwartungsgemäß auch ohne den Kontakt zu ehemaligen Elitesoldaten nicht beim Pilzesammeln und Gemüseeinkochen.

Prepper-Urlaub auf dem Schießstand

Als Service für die Leser*innen des City Prepping-Blogs recherchierte und testete Dittmer vor allem im Ausland verschiedene Möglichkeiten, das Schießen zu trainieren. Für „echte Prepper“ sei das eine „interessante Angelegenheit“.  

In Frankreich wäre sie zum Schießtraining persönlich eingeladen worden, aber auch in anderen Ländern gebe es Möglichkeiten, die „unkomplizierter“ als in Deutschland gebucht werden könnten: Nicht jeder möge es, sich komplett registrieren zu lassen und private „Hobbys“  gingen den Staat „rein gar nichts“ an. Weil Flüge heutzutage spottbillig wären, bevorzuge sie gleich einen „Prepper Urlaub auf dem Schießstand“ (Fehler.i.O.). Sie könne vor allem die Ukraine empfehlen: „Ohne Ausweis und ohne Eintrag in eine Liste konnte ich hier in der Hauptstadt Kiew in einer Halle AK-47 und Glock 19 schießen. Ich habe umgerechnet 31 Euro für 20 Schuss bezahlt. Den Stand haben wir uns vorher einfach bei Google ausgesucht. (…) Ich würde jederzeit Kiew als Prepper Urlaub favorisieren, wenn man ein wenig mit dem Schießen anfangen möchte“.

Harmlose Prepper?

Ohne Dittmers Einfluss und persönliche Bereitschaft zum bewaffneten Kampf überbewerten zu wollen sind wir der Meinung, dass sie die Spannbreite des extrem rechten Preppertums mit ihren Beiträgen erweitert. Dass „Prepper“ nicht selten eine bewusst verharmlosende Selbstbezeichnung von Untergangsfanatiker*innen ist, die sich auf einen bewaffneten Umsturz vorbereiten oder ihn selber herbeiführen möchten, hat sich nicht zuletzt anlässlich der Aufdeckung von Schmitts Uniter-Netzwerk einschließlich der Gruppe Nordkreuz gezeigt. Während sich Schmitts Truppe vor allem aus Reservisten, Ex-Soldaten und einem autoritären bis extrem rechten, etablierten Bürgertum rekrutiert, steht Dittmer als Neonazi-Aktivistin für eine Szene, die aktuell Zulauf von immer jüngerem und gewaltbereiterem Nachwuchs erhält. Dittmers martialische Inszenierung, ihr Liebäugeln mit Waffen und Schießtrainings, könnte dort möglicherweise Signale mit verheerender Wirkung setzen.

Melanie Dittmer meets Hannibal

Dittmers alte und neue Netze im Westerwald

Melanie Dittmer knüpft in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und im europäischen Ausland tatkräftig an neuen Netzen. Dafür pflegt sie ihre langjährigen Kontakte und fand im Westerwald neue, die weit in militante Strukturen hinein reichen. In ihrem „Cityprepping Blog“ spielt seit 2022 André Schmitt alias Hannibal eine Hauptrolle. Im rheinlandpfälzischen Ort Schutzbach hat sie an mindestens zwei taktischen Schulungen des ehemaligen KSK-Elitesoldaten und „Uniter“-Gründers teilgenommen, was ihr zusammen mit Werbung für dessen Label Black Ops Coffee eine „lebenslange Mitgliedschaft“ eingetragen hat. In die Ukraine transportierte sie Material, das von Europa Terra Nostra (ETN) gespendet wurden, einem europaweiten Netzwerk von Naziparteien.

Prepperin Melanie Dittmer mit „Bug-Out-Car“

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Vorsitzende des „Bundesverband Lebensrecht“ referierte in Gummerbach

Lebensschützerin Alexandra Maria Linder am 23.11.2024 beim Kreiskatholikenrat in Gummersbach

Während der „Marsch für das Leben“ in Berlin und Köln von vielfältigem Protest begleitet und zum Teil erfolgreich blockiert wurde, wurde vom Treffen des Kreiskatholikenrates Oberberg kaum Notiz genommen. Unter dem Motto „Menschenwürde im 21. Jahrhundert – (un)antastbar?“ konnte  Linder ihre Thesen zum Schutz vorgeburtlichen Lebens bei Kaffee und Kuchen referieren.  

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Neues vom Königreich Deutschland

Die neue Lotta (Antifaschistische Zeitung aus NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen) ist draußen und wir haben zum Themenschwerpunkt beigetragen. Ab Seite sechs gibt es Infos zur Ausbreitung des „Königreichs Deutschland“ (KRD) im Westen von Deutschland.

Was uns wichtig ist: Das KRD ist mitnichten allein das Problem der östlichen Bundesländer. Denn durch das Tupper-Party-ähnliche Muliti-Level-Marketing des NRW-Projekts namens „Leucht-Turm“ werden vor allem in den westlichen Bundesländern neue arbeits- und zahlungswillige Zugänge für die Polit-Sekte angeworben.

Der KRD-„Leucht-Turm“, das sind Kevin Mender aus Düsseldorf, Britta Vogelberg und Holger Wiese. In der Kampfsportschule Menders in Düsseldorf entstand unter anderem das Reichsbürger-Unternehmen des Trios. Daneben haben besonders Vogelberg und Wiese Strukturen in der Region Münster und Osnabrück aufgebaut. In weiteren Regionen wurden und werden sogenannte „Regionalstellen“ gegründet.

Infos gibts außerdem über Innenansichten der antisemitisch, nationalistisch, esoterisch und verschwörungsgläubig geprägten Seminare, zum politischen Umfeld des „Leucht-Turm“ und  zu bisherigen Veranstaltungsorten in NRW.  (Siehe auch unsere frühere Veröffentlichung https://aroberberg.wordpress.com/2023/04/21/reichsburgertreffen-im-rhein-sieg-kreis-aufbaukampagne-des-konigreich-deutschland-will-stutzpunkt-im-suden-nrws-grunden/)

Der Lotta-Schwerpunkt bietet außerdem Grundsätzliches zum Thema „Reichsbürger“ und zu weiteren Strukturen in NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen und natürlich viel Hintergrundwissen zu extremen Rechten.

Die Lotta abonnieren unter:

LOTTA; Am Förderturm 27; 46049 Oberhausen; E-Mail: lotta-vertrieb@nadir.org

Holocaustleugner, Verschwörungsideologen, Revisionisten und Esoteriker beim Rheinwiesenlagertreffen

Eine gemeinsame Recherche von Antifaschistische Recherche Oberberg (AROB) und Stoppt die Rechten (SdR)

Vom Mittwoch den 10.05. bis zum Freitag, den 12.05. beabsichtigen Reichsbürger, Rechtsesoteriker, Verschwörungsgläubige und Revisionisten aus verschiedenen Teilen Deutschlands sowie der Schweiz und Österreich okkultistische Treffen bei den Rheinwiesenlagern bei Remagen abzuhalten. Die Teilnehmer*innen wollen der in der Geschichte vermeintlich einzigartigen Gräuel und Schuld gedenken, die den deutschen Gefangenen durch die Alliierten in den Nachkriegsjahren zugefügt worden seien. Die Rede ist gar von einem „Genozid an den Deutschen“.

Das vorgeblich durch die Rheinwiesenlager entstandene deutsche Trauma soll durch Meditation, Rituale, Tanz und Gesang geheilt werden. Die herbeigeführte Wiedererstarkung der „deutschen Seele“ könne die Rückkehr zu einem starken und selbstbewussten deutschen Volk ebnen und durch Bewusstseinsänderung zugleich die gesamte Welt von der Herrschaft durch eine geheime Elite befreien, die im Verborgenen die Welt regiere.

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