Neunkirchen-Seelscheid hatte in den vergangenen Monaten zwei rassistische Straftaten zu verzeichnen, darunter einen Brandanschlag auf ein Restaurant. Die beiden Bewohner konnten sich nur mit Glück aus dem brennenden Haus retten und erlitten dabei Verletzungen. Das betroffene Gebäude brannte nahezu völlig aus. In Neunkirchen-Seelscheid gründete sich als Antwort auf die beiden Übergriffe die Initiative Neunkirchen-Seelscheid ist bunt.
Die im Rhein-Sieg-Kreis gelegene Kleinstadt ist außerdem Wohnort eines jungen Neonazis, der sich gerade bundesweit in der gewaltaffinen JN (Junge Nationalisten) vernetzt, der Nachwuchsorganisation der Partei „Die Heimat“ und der vormaligen NPD.
Restaurant in Neunkirchen-Seelscheid nach Brandanschlag (Foto: AROB)
Radevormwald mit seinen benachbarten Wupperorten und den umliegenden Dörfern gilt seit Jahren als Zentrum neonazistischer Aktivitäten. Bekannt ist vor allem der „Freundeskreis Radevormwald“, um den es nach den Razzien und Gerichtsverhandlungen 2012 nur scheinbar ruhig wurde. In den letzten Jahren werden in den nördlichen Kleinstädten des Oberbergischen wieder verstärkt Aktivitäten aus dem extrem rechten Milieu sichtbar. Ermöglicht wird dies durch ein dichtes Netz von familiären und freundschaftlichen Verbindungen. Diese reichen vom neonazistischen Spektrum über die extrem rechte PRO-Bewegung bis in die AfD. Alte und neue Mitglieder des extrem rechten Netzwerks sollen im Folgenden vorgestellt werden.
Dieser Text bezieht sich auf unseren Artikel „Ziemlich beste Freunde: Neonazi-Aktivitäten in Radevormwald“ aus der Lotta #95 (Herbst 2024) und soll zusätzliche Informationen bereitstellen.
Von links: Jonas Ronsdorf, Marius Dörschel, Tobias Ronsdorf vom ehemaligen Freundeskreis Radevormwald (Foto dokunetzwerk rhein-main)
Die neue Lotta (Antifaschistische Zeitung aus NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen) ist draußen und wir haben zum Themenschwerpunkt beigetragen. Ab Seite sechs gibt es Infos zur Ausbreitung des „Königreichs Deutschland“ (KRD) im Westen von Deutschland.
Was uns wichtig ist: Das KRD ist mitnichten allein das Problem der östlichen Bundesländer. Denn durch das Tupper-Party-ähnliche Muliti-Level-Marketing des NRW-Projekts namens „Leucht-Turm“ werden vor allem in den westlichen Bundesländern neue arbeits- und zahlungswillige Zugänge für die Polit-Sekte angeworben.
Der KRD-„Leucht-Turm“, das sind Kevin Mender aus Düsseldorf, Britta Vogelberg und Holger Wiese. In der Kampfsportschule Menders in Düsseldorf entstand unter anderem das Reichsbürger-Unternehmen des Trios. Daneben haben besonders Vogelberg und Wiese Strukturen in der Region Münster und Osnabrück aufgebaut. In weiteren Regionen wurden und werden sogenannte „Regionalstellen“ gegründet.
Der Lotta-Schwerpunkt bietet außerdem Grundsätzliches zum Thema „Reichsbürger“ und zu weiteren Strukturen in NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen und natürlich viel Hintergrundwissen zu extremen Rechten.
Die Lotta abonnieren unter:
LOTTA; Am Förderturm 27; 46049 Oberhausen; E-Mail: lotta-vertrieb@nadir.org
Das gequält gereimte Motto „Keinen Forint für’s [!] Dorint!“ konnte am 16.03. offensichtlich nur wenige extreme Rechte nach Remscheid locken. Daran änderte auch das Aufgebot von Manfred Rouhs (unter anderem ehemaliger Bundesvorsitzender der 2018 aufgelösten Kleinstpartei „Pro Deutschland“) nur wenig. Zu keiner Zeit der Demoroute konnten mehr als 50 Teilnehmende gezählt werden und das auch nur, weil kurzfristig die Trommlergruppe von „NRW erwacht“ dazu stieß.
Oberbergischer Kreis/Potsdam. Am gestrigen Mittwoch sorgte die Veröffentlichung einer investigativen Recherche des Medienhauses CORRECTIV über ein klandestines Treffen von AfD-Vertreter*innen, Neonazis und weiteren Vertreter*innen der extremen Rechten im November 2023 unweit von Potsdam für Empörung. Das Ziel des Treffens: die Planung der Deportation von Millionen Menschen. Solche Überlegungen wurden dort demnach u.a. vom österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner präsentiert.
Für den heutigen Sonntag hatte die Oberbergische AfD zur Einweihung ihres Wahlkampfbüros in die Vollmerhauser Straße 75 in Gummersbach eingeladen. Als vorgeblich volksnahe Partei versprach sie ihren Gästen vor allem eine „reichhaltige Auswahl an Grillgut“. MdB Eugen Schmidt persönlich verriet bereits vorab auf Facebook die Adresse, sodass sich neben etwa 50 angemeldeten AfDler*innen auf der dem Büro gegenüberliegenden Straßenseite gleich die dreifache Menge von Gegendemonstrant*innen einfand und lautstark auf die neuen braunen Nachbar*innen an der B55 aufmerksam machte.
Wer wochenends durchs schöne Ahrtal reist, kann mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Menschen bei obskuren Praktiken sehen, etwa beim Mantrasingen, Vermessen von Ruinen, Niederlegen von inbrünstig gesegneten Steinen oder Kreistänzen am Flussufer. Das mag auf den Beobachter je nach Naturell interessant oder doch eher befremdlich wirken, oft steckt allerdings hinter dem harmlos wirkenden Tun knallharter rechtsextremer Nationalismus und Revisionismus.
Unweit von Andernachs Zentrum und den Einfamilienhaus-Siedlungen an den Stadträndern laden Wiesen- und Feldwege rund um den Marienstätter Hof Scharen von E-Bikern, Jogger*innen und Familien zu ländlich-sonntäglichen Touren ein.
Wer sich dem von den Betreibern MSH-Ranch genannten Hof nähert, wird unübersehbar und unmissverständlich mit A3-formatigen laminierten Ausdrucken darüber aufgeklärt, dass die Betreiber sich nicht zum Deutschen Staatsgebiet zugehörig fühlen: „Hier gilt das preußische Staats- und Landrecht“, und zwar in der Fassung von 1850, wahlweise auch der Verfassung des Deutschen Reiches vom 16. April 1871. Eine „legitime Erklärung der Aufhebung des Kriegs- und Belagerungszustandes“ habe bis auf den heutigen Tag nicht stattgefunden, so dass diese Gesetze immer noch in Kraft seien.
Durch verschiedene Veröffentlichungen in der lokalen Presse und die konzertierten Veröffentlichung von Stoppt die Rechten (SdR) und AROB konnten wir in den Telegram-Gruppen der Organisator*innen erhebliche Verunsicherung und diverse Absagen – nicht zuletzt innerhalb der Orga-Gruppe – bewirken.
Es erschienen dennoch über 50 Rechtsesoteriker*innen, die teils gegenüber den Mahnwachen des Friedensbündnisses mit erheblicher Aggressivität und antisemitischen Äußerungen auftraten.
Eine gemeinsame Recherche von Antifaschistische Recherche Oberberg (AROB) und Stoppt die Rechten (SdR)
Vom Mittwoch den 10.05. bis zum Freitag, den 12.05. beabsichtigen Reichsbürger, Rechtsesoteriker, Verschwörungsgläubige und Revisionisten aus verschiedenen Teilen Deutschlands sowie der Schweiz und Österreich okkultistische Treffen bei den Rheinwiesenlagern bei Remagen abzuhalten. Die Teilnehmer*innen wollen der in der Geschichte vermeintlich einzigartigen Gräuel und Schuld gedenken, die den deutschen Gefangenen durch die Alliierten in den Nachkriegsjahren zugefügt worden seien. Die Rede ist gar von einem „Genozid an den Deutschen“.
Das vorgeblich durch die Rheinwiesenlager entstandene deutsche Trauma soll durch Meditation, Rituale, Tanz und Gesang geheilt werden. Die herbeigeführte Wiedererstarkung der „deutschen Seele“ könne die Rückkehr zu einem starken und selbstbewussten deutschen Volk ebnen und durch Bewusstseinsänderung zugleich die gesamte Welt von der Herrschaft durch eine geheime Elite befreien, die im Verborgenen die Welt regiere.